
Eine echte Verbindung zum Höheren Selbst unterscheidet sich vom simplen Gefühl, nach einer stressigen Woche einfach nur müde zu sein. Ich stelle mir diese Frage regelmäßig, seit ich nach meinem Burnout wieder in meinen UX-Job eingestiegen bin und merke, wie unterschiedlich Kolleginnen und Leserinnen dieses Blogs das Wort benutzen – mal als Modewort für ein gutes Bauchgefühl, mal als Versprechen auf eine große spirituelle Erleuchtung mitten im Designalltag.
Bevor es weitergeht, kurz der Transparenz wegen: Manche Links in diesem Text sind Affiliate-Links zu Kursen, die ich selbst gebucht und durchlaufen habe. Bucht jemand darüber, bekomme ich eine Provision, der Preis für dich bleibt gleich. Verlinkt wird hier nur, was ich tatsächlich selbst ausprobiert habe – und ich bin weder Ärztin noch Therapeutin, sondern Designerin, die ihren eigenen Weg protokolliert.
Die kurze Antwort, bevor ich ins Detail gehe: Es liegt nicht an der Größe des Moments, sondern daran, ob sich ein Impuls in wenigen eigenen Worten benennen lässt oder ob er nur als diffuses Gefühl von Schwere daliegt. Alles andere in diesem Text ist die lange Version davon, mit den Umwegen, die dazugehören.
Mein Job als Senior-Designerin bestand jahrelang darin, User Experience-Architekturen so zu bauen, dass kein Klick überflüssig ist, und nach dem Ausfall im Herbst 2023 begann ich mit der 21-tägigen Meditations-Reise — Loslassen in Leichtigkeit, aus der inzwischen eine werktägliche 20-Minuten-Gewohnheit geworden ist.
Der Mythos vom großen Geistesblitz
Der verbreitete Mythos lautet, die Verbindung zum Höheren Selbst zeige sich als ein einziger, unübersehbarer Geistesblitz, der alles verändert. Bei mir war es nie so, und seit zwei Jahren übe ich täglich genug, um das beurteilen zu können.
An einem Mittwochmorgen stand ich am Küchenfenster, sah dem Regen in dünnen Linien über die Scheibe zu und legte für drei Minuten das Handy weg, ohne es bewusst zu entscheiden. Danach fühlte sich der Rest des Morgens nicht erleuchtet an, nur klarer sortiert – genau das kleine, benennbare Signal, nach dem ich inzwischen suche, statt auf einen großen Moment zu warten.
Verbindung zum Höheren Selbst – kein reiner Zufall
Ein zweiter Mythos behauptet, diese Impulse seien reiner Zufall – mal da, mal nicht, komplett unplanbar. Das deckt sich nicht mit meiner Erfahrung als Designerin: Bei Cognitive Walkthroughs prüfen wir systematisch, an welcher Stelle eine Oberfläche für Nutzerinnen bricht, Schritt für Schritt statt nach Gefühl.
Etwas Ähnliches mache ich inzwischen mit einem hartnäckigen Interface-Problem: Statt mich durch weitere Benchmark-Analysen zu wühlen, halte ich kurz inne und prüfe, ob sich ein konkreter Impuls meldet oder nur Erschöpfung. Wie sich das im Detail trainieren lässt, habe ich an anderer Stelle beschrieben: inneren Blockaden lösen im Design-Prozess. Hier reicht die Kurzfassung – es ist eine Gewohnheit, die mit jeder Wiederholung verlässlicher wird, kein Lottospiel.
Warum totale Stille nach einem Burnout nicht automatisch hilft
Der dritte und vielleicht wichtigste Mythos: Wer sich mit dem Höheren Selbst verbinden wolle, müsse zuerst völlige, leere Stille aushalten. Für Menschen, die aus einem Burn-out kommen, ist das oft das Gegenteil von hilfreich – ein übererregtes Nervensystem registriert absolute Leere nicht als Entspannung, sondern als zusätzliche Anspannung, das eigene Herz schlägt plötzlich sehr laut.
Danach reicht oft ein kurzer Gang über den Carlsplatz, um wieder anzukommen, bevor der nächste Termin beginnt. Wer frisch aus einer anstrengenden Phase kommt, findet über einen geführten Weg oft leichter wieder zu innerer Ruhe im Berufsalltag, weil dort die Anker – Atem, ein Geräusch, eine Körperstelle – schon vorgegeben sind, statt einen allein in die Leere zu setzen.
Die eigene Sprache finden statt fremder Vorlagen
Bevor die tägliche Praxis überhaupt stabil war, probierte ich etwas anderes: fertige Journaling-Vorlagen aus dem Buchhandel, mit vorgedruckten Fragen für jeden Tag. Es hat nicht funktioniert – die Fragen passten zu einem fremden Leben, nicht zu meinem, und nach wenigen Wochen lag das Heft ungenutzt auf dem Stapel neben dem Bett.
Was stattdessen half: dieselbe Methode, die ich beruflich für Nutzerinterviews einsetze, nur auf mich selbst angewendet – kurze, eigene Sätze ohne Vorgabe, protokolliert wie eine Beobachtung statt wie eine Hausaufgabe. Dieses Protokollieren in eigener Sprache, nicht nach fremder Vorlage, ist inzwischen der Teil meiner Praxis, auf den ich mich am meisten verlasse.
Elben-Kurs, Drachenenergie und die nächste Vertiefung
Seit dem Frühjahr 2025 steige ich schrittweise tiefer in Channeling-nahe Kurse ein, immer erst, wenn die tägliche Basis stabil war – wer ganz neu in dieses Feld einsteigt, sollte sich davon nicht verunsichern lassen, der erste Schritt bleibt die kurze, tägliche Übung, nicht ein komplettes Kurspaket.
Zwischendurch nutze ich etwa den ELBEN Online Kurs mit Christine Arana Fader, wenn mein Fokus zu sehr in technischen Details feststeckt und ich eine fließendere Perspektive brauche. An anderen Tagen passt eher ein Thema wie inneres Selbstvertrauen durch Drachenenergie, wenn es weniger um Loslassen als um eine präsente, klare Haltung im Job geht.
Zurück zur Ausgangsfrage vom Anfang: Der Unterschied zwischen echter Verbindung und bloßer Erschöpfung zeigt sich nicht an der Größe des Moments, sondern daran, ob sich der Impuls in wenigen eigenen Worten benennen lässt. Erzwingen lässt sich das nicht, üben schon – mit einem festen Ritual von wenigen Minuten am Tag statt mit einem einmaligen großen Ereignis. Wer gerade erst anfängt und einen einfachen Einstieg sucht: Für mich war die 21-tägige Meditations-Reise der Punkt, an dem aus einer vagen Absicht eine tatsächliche Gewohnheit wurde.
Eine gute Verbindung zum Höheren Selbst funktioniert für mich wie ein gutes Interface: Sie fällt nicht durch spektakuläre Effekte auf, sondern dadurch, dass unnötiger Widerstand verschwindet – ein brauchbarer Maßstab für jede Phase der Burnout-Erholung, nicht nur für meine eigene.