
Vier von sieben Abenden bin ich spazieren gegangen, jeden einzelnen in der Notizen-App abgehakt — und am Ende der Woche saß die Spannung trotzdem wieder im Nacken. Das war der Punkt, an dem ich anfing, Gehen und Sitzen nicht mehr als zwei nette Optionen zu behandeln, sondern als zwei Werkzeuge mit unterschiedlicher Wirkung auf meine Burnout-Erholung zu vergleichen. Als UX-Designerin bin ich es gewohnt, Nutzerverhalten zu protokollieren statt zu bewerten, und genau so führe ich auch meine tägliche Meditationsroutine: als Vergleich zweier Ansätze zur Achtsamkeit für berufstätige Frauen im Agenturalltag, von denen keiner automatisch der bessere ist. Mein Weg zum spirituellen Wachstum begann nicht mit Sitzen, sondern mit Schuhen.
Kurzer Zwischenstopp, bevor ich weiterschreibe: Ich bin keine Ärztin oder Therapeutin, nur eine UX-Designerin, die seit ihrem Burnout-Ausfall ein Tagebuch über ihre eigene Praxis führt. Wenn du selbst mitten in einer psychischen Krise steckst, ist dieser Blog nicht der richtige Ort dafür — geh bitte zu deiner Hausärztin oder einer Psychotherapeutin. Und ja: einige Links weiter unten sind Affiliate-Links zu Kursen, die ich selbst gebucht habe. Buchst du darüber, bekomme ich eine Provision, du zahlst keinen Cent mehr.
Abendspaziergang gegen Meditationskissen: zwei Wege zur Burnout-Erholung am gleichen Feierabend
Meine Psychiaterin hatte die Abendspaziergänge empfohlen, kurz nachdem der Ausfall mich aus dem Job gezogen hatte. Bewegung an der frischen Luft, regelmäßig, möglichst zur gleichen Zeit. Die Route, die bei mir blieb, führte vom Grabbeplatz an der Kunsthalle Düsseldorf vorbei und zurück, eine knappe halbe Stunde, die sich gut in einen Feierabend quetschen ließ. Es half gegen die Ruhelosigkeit in den Beinen — aber nicht gegen das Gedankenkarussell, das nach einem Tag voller Feedback-Runden weiterlief, selbst wenn die Füße längst wieder vor der Wohnungstür standen.
Die Beine wurden ruhiger, der Kopf nicht, und genau diese Lücke brachte mich schließlich zur 21-tägige Meditations-Reise — Loslassen in Leichtigkeit. Zwanzig Minuten sitzen klang nach dem Gegenteil von Gehen, und genau deshalb wollte ich es ausprobieren, nicht als Ersatz für die Spaziergänge, sondern als zweites Werkzeug daneben.
Warum half das Sitzen, wo das Gehen an seine Grenzen kam?
Der Unterschied zeigte sich nicht am Wochenende, sondern mitten in der Woche. Mittwochabend, zwanzig Minuten auf dem Sofa, kein Räucherstäbchen, keine besondere Vorbereitung — nur der Versuch, nach dem Jour-fixe mit unserem UX-Teamlead Lorenz Hafner wieder bei mir anzukommen, statt die Besprechung noch stundenlang im Kopf weiterlaufen zu lassen.
Am Tag darauf saß ich in der U79 Richtung Heinrich-Heine-Allee und merkte erst beim Aussteigen, dass meine Schultern die ganze Fahrt über unten geblieben waren — sonst zogen sie sich nach solchen Terminen fast automatisch bis zu den Ohren hoch. Lorenz selbst schreibt mir nach Meetings fast nie eine Mail und ruft auch nicht an, sondern schickt eine kurze Slack-Nachricht, oft noch während ich aus dem Raum gehe; das hat mich gelehrt, Feedback nicht sofort zu verarbeiten, sondern erst zuhause, mit etwas Abstand. Manche Abende sitze ich einfach still, ohne Anleitung, andere Abende lasse ich eine geführte Aufnahme laufen — beides hat seinen Platz, auch wenn der Vergleich der beiden ein eigenes Thema für sich ist. Was ich seither bewusster mache: Grenzen im Job früher ziehen, bevor der gedankliche Rucksack so voll ist, dass weder Gehen noch Sitzen noch viel ausrichten können. Darüber, wie sich diese Art von innerer Ruhe im Berufsalltag mit der Meditationsreise einstellt, habe ich an anderer Stelle ausführlicher geschrieben.
Die Tage, an denen weder Gehen noch Sitzen hilft
Es gibt Abende, an denen beide Werkzeuge versagen. Letzten Dienstag habe ich die Sitzung zweimal verschoben, einmal auf halb neun, einmal ganz nach hinten, weil ein missglücktes Projekt-Update mich so wütend gemacht hatte, dass ich lieber laut vor mich hin geschimpft als stillgesessen hätte, und zum Gehen fehlte mir schlicht die Lust.
Eine Leserin, Edith Volk, schrieb mir vor einiger Zeit eine lange E-Mail zu genau diesem Widerwillen — warum sich das Sitzen manchmal wie eine Pflichtübung anfühlt statt wie Erholung. Ich habe darauf keine saubere Antwort, nur die Beobachtung, dass der Widerstand bei mir meist dann am größten ist, wenn ich den Wiedereinstieg in den Job als Druck statt als Prozess behandle. An solchen Abenden hilft mir manchmal eher, das Handy nach Feierabend bewusst eine Stunde liegen zu lassen, als noch eine weitere Methode auszuprobieren.
Daneben habe ich mich an einen thematischen Abstecher in Richtung Drachenenergie gewagt, mehr aus Neugier als aus Notwendigkeit, und darüber, wie inneres Selbstvertrauen im Job durch Drachenenergie entstehen kann, schreibe ich an anderer Stelle ausführlicher. Was mir dabei half, war vor allem die Erinnerung, dass Geduld nach dem Burnout Zeit und Stille braucht und sich nicht erzwingen lässt, egal wie viele Methoden man parallel testet.
Wann Bewegung hilft, wann Stille mehr bringt
Nach allem, was ich seither verglichen habe, läuft es auf eine einfache Regel hinaus. Gehen wähle ich, wenn der Stress noch im Körper sitzt — nach einem hitzigen Call, nach einem Tag, an dem ich stundenlang am Bildschirm saß und die Beine einfach etwas tun wollen. Sitzen wähle ich, wenn der Kopf das Problem ist: wenn sich ein Gedanke festgebissen hat und auch der dritte Spaziergang um den Grabbeplatz ihn nicht loslässt.
Für andere Frauen in meinem Umfeld ist der Morgen der Ankerpunkt des Tages; bei mir ist es nach wie vor der Abend, und keine der beiden Varianten ist die „richtigere". Wer selbst gerade zwischen zwei Methoden pendelt und nicht weiß, welche an einem bestimmten Abend greift, dem würde ich raten, erst ein paar Tage beide Optionen parallel zu notieren, statt sich sofort für eine zu entscheiden.
Die 21-tägige Meditations-Reise war für mich der Startpunkt für die Sitzpraxis-Seite dieser Gleichung, und ich bin froh, dass ich sie neben den Spaziergängen stehen gelassen habe, statt eine gegen die andere auszutauschen. Welches Werkzeug an einem bestimmten Abend greift, merkt man ohnehin erst, wenn man beide zur Hand hat.