Der Cursor blinkt seit einer Weile an derselben Stelle im Figma-File, drei Pixel neben dem Button, den ich nicht verschiebe. Keine Idee kommt, nur das altbekannte Ziehen im Nacken – das Gefühl, das mich seit dem Burnout begleitet, wenn der Tank plötzlich wieder leer wirkt und selbst die Drachenenergie-Übung von gestern Abend nichts davon zu spüren scheint.
Kurzer Zwischenstopp, bevor es weitergeht: Ich bin Senior UX-Designerin, keine Ärztin und keine Therapeutin, und alles hier sind persönliche Notizen aus meiner Genesung nach einem Burnout-Ausfall. Manche Links in diesem Text sind Affiliate-Links – bucht jemand darüber einen Kurs, bekomme ich eine Provision, ohne dass es teurer wird. Verlinkt wird nur, was ich selbst auf dem Kissen ausprobiert habe.
Ton in den Händen, Drache im Kopf
Der Anfang lag kurz nach dem Burnout-Ausfall: still sitzen lernen, zwanzig Minuten am Stück, ohne dass der Kopf eine Schleife aus offenen Tickets dreht. Diesen Einstieg verdanke ich der 21-taegigen Meditations-Reise: Loslassen in Leichtigkeit, die ich in der ambulanten Nachsorge entdeckt habe. Sie hat funktioniert, in dem Sinn, dass die Panik aus dem Körper verschwand. Kreativität kam davon trotzdem nicht zurück – nur Ruhe, und Ruhe allein füllt kein leeres Blatt.
Bevor die Drachenenergie überhaupt ein Thema wurde, hatte ich einen anderen Weg ausprobiert, um die Kreativität zurückzuholen. Acht Wochen lang ging ich in einer Fitness-Kette zum Yoga, montags nach der Arbeit, in einem Raum mit zu hellem Neonlicht und Spiegeln an drei Wänden. Der Körper wurde beweglicher, keine Frage. Am Whiteboard blieb ich trotzdem genauso blockiert wie vorher, und nach der achten Woche habe ich die Mitgliedschaft pausiert, ohne sie je wieder zu reaktivieren.
Eine Freundin nähert sich dem Thema Kreativität ganz anders. Sie geht seit Jahren wöchentlich zu ihrem Töpferkurs in einem Atelier in Flingern, und wenn sie danach erzählt, klingt es nie nach Technik, sondern nach den Händen im Ton, nach dem Moment, in dem eine Form plötzlich stimmt. Zwei Wege zum selben Ziel: Sie arbeitet mit den Händen, ich arbeite mit dem, was im Rücken hochsteigt, wenn ich stillsitze.
Wie unterscheidet sich erzwungene Kreativität von der Drachenenergie-Meditation?
Mein erster Versuch bei der Drachenenergie-Übung war ein Fehlstart, weil ich sie wie ein Sprint-Ticket plante: neunzehn Uhr Visualisierung, kurz danach soll die Erleuchtung fertig sein, danach Abendessen. Das System hat sich schlicht geweigert, Kraft auf Bestellung zu liefern, und ich saß mit Spannungskopfschmerz auf dem Kissen statt mit einem Durchbruch.
Die eigentliche Wirkung kam erst, als ich die Designerin in mir für zwanzig Minuten abschaltete, die alles kontrollieren will. Irgendwann während einer Visualisierung stieg eine Hitze von der Wirbelsäule bis in die Schultern, kein Fieber, eher ein Glühen von innen. Genau da wurde aus dem abstrakten Bild eines Drachens eine körperliche Empfindung von Grenze und Präsenz – etwas, das sich mit reiner Willenskraft nicht herstellen lässt, so wenig wie beim Yoga-Kurs oder beim durchgeplanten Visualisieren.
Dieses Gefühl half mir später auch, Innere Unruhe bekämpfen zu können, ohne mich jedes Mal komplett aus dem Alltag zurückzuziehen. Nach einem Burnout ist man oft wie eine offene Tür für fremde Anspannung – ein Kollege ist genervt, und man übernimmt den Ton, ohne es zu merken. Die Drachenenergie gab mir zum ersten Mal das Gefühl, eine Schicht dazwischen zu haben.
Erzwungene Energie hält nie so lange wie eine echte Meditationsroutine
Unter Zeitdruck greife ich trotzdem manchmal auf die alte Methode zurück: Kaffee, Brainstorming-Zettel, ein Timer, der in fünfzehn Minuten drei Ideen verlangt. Das funktioniert für den nächsten Pitch, wenn die Deadline in einer Stunde steht und niemand auf Innenschau wartet. Was dabei entsteht, ist selten die beste Idee, aber es reicht, um im Meeting nicht mit leeren Händen dazustehen.
Ist dagegen etwas Luft im Kalender, gehe ich lieber raus, zur Kunsthalle Düsseldorf am Grabbeplatz, und lasse den Kopf beim Gehen leer werden, bevor ich mich danach für die Drachenenergie-Übung hinsetze. Der Unterschied zur Brainstorming-Methode ist nicht die Dauer, sondern die Reihenfolge: erst die Energie holen, dann erst die Idee erwarten – nicht umgekehrt.
Ob das wirklich etwas verändert, merke ich meist nicht während der Übung selbst, sondern danach, in unauffälligen Momenten. Auf der Rückfahrt in der U-Bahn nach einem Jour-fixe bemerkte ich neulich, dass meine Schultern nicht mehr bis zu den Ohren hochgezogen waren, obwohl das Meeting genauso zäh gelaufen war wie sonst. Niemand im Wagen hätte das gesehen, aber für mich war es der eigentliche Beweis – nicht die Hitze im Rücken während der Visualisierung selbst.
Goldene Schuppen mitten im Stakeholder-Meeting einsetzen
In schwierigen Meetings ertappe ich mich dabei, mir innerlich goldene Schuppen vorzustellen, um Kritik nicht sofort persönlich zu nehmen – ein Bild, das anfangs absurd klang für eine Senior UX-Designerin mit Kanban-Board und Retro-Formularen. Der innere Kritiker, der mir sagt, dass das albern ist, meldet sich trotzdem jedes Mal, nur inzwischen kürzer. Was dabei wirklich hilft, ist weniger die Bildsprache selbst als die Abgrenzung, die dahintersteht: eine Grenze zwischen dem Feedback eines Kunden und meiner eigenen Reaktion darauf.
Die Drachenenergie Erfahrungen, die ich seither gesammelt habe, zeigen mir vor allem eins: Kreativität braucht einen Schutzraum, bevor sie mutig wird. Erst wenn ich mich energetisch nicht mehr angreifbar fühle, traue ich mich, eine Design-Entscheidung zu verteidigen, statt den bequemsten Kompromiss vorzuschlagen.
Der Vergleich der beiden Wege – die geplante, willensstarke Version und die Drachenenergie-Version – hat mir am Ende eine klare Regel gegeben: Wenn die Zeit knapp ist, nehme ich die alte Brainstorming-Routine, ohne schlechtes Gewissen. Wenn Zeit da ist und der Kopf trotzdem leer bleibt, greife ich zur Drachenenergie-Übung, weil sie an die Ursache geht statt an das Symptom. Für den vollständigen Wiedereinstieg nach dem Burnout war das kein einzelner Kurs, sondern die Kombination: erst die stille Basis, später ein gezielter thematischer Abstecher.
Was danach bleibt, ist immer gleich: Sonntagabend, ein paar Sätze im Tagebuch-Blog, ein Protokoll statt einer Bewertung. Der nächste Schritt Richtung Channeling ist für mich noch offen – ein Einstieg, den ich mir bewusst erst zutraue, wenn die Drachenenergie sich nicht mehr neu anfühlt, sondern vertraut.